Eine zusätzliche IPv4-Adresse bestellen Sie im Reiter Übersicht mit Weitere IP bestellen. Wir hängen dafür eine eigene, zusätzliche Netzwerkkarte an Ihren Server, tragen die Adresse in der Firewall ein (Regel „Allow All (default)") und zeigen in der Karte IP-Adressen die Netzwerkkarte (zum Beispiel net1) und ihre MAC-Adresse. Im Betriebssystem richten Sie die Adresse danach selbst ein - es gibt keinen DHCP-Server.
Warum eine eigene Routing-Tabelle?
Die Firewall vor Ihrem Server lässt je Netzwerkkarte nur deren eigene Adresse als Absender zu. Ohne weitere Einstellung schickt das System Antworten der zusätzlichen Adresse aber über die erste Karte und die Standardroute - diese Pakete werden verworfen, die Adresse wirkt „nicht erreichbar". Deshalb bekommt die zusätzliche Adresse eine eigene Routing-Tabelle: Alles, was von ihr ausgeht, verlässt den Server über ihre eigene Karte. Gateway und Netzmaske sind dieselben wie bei der Hauptadresse.
Beispielwerte in dieser Anleitung: Hauptadresse 203.0.113.10, zusätzliche Adresse 203.0.113.20, Netzmaske /24 (255.255.255.0), Gateway 203.0.113.1, MAC der neuen Karte bc:24:11:4a:7e:21. Ihre echten Werte stehen im Reiter Übersicht in den Karten IP-Adressen und Netzwerk-Konfiguration.
1. Netzwerkkarte finden
Der Name der neuen Karte im System hängt vom Betriebssystem ab (zum Beispiel ens19, enp6s19, eth1 oder vtnet1). Eindeutig ist die MAC-Adresse aus dem Kundenbereich:
ip -br link # Linux: Name und MAC aller Karten
ifconfig # FreeBSD
Vorher sichern
Legen Sie vor Änderungen am Netzwerk einen Snapshot an und halten Sie die Web-Konsole bereit - sie funktioniert auch, wenn das Netzwerk einmal nicht mehr geht.
2a. Debian und Ubuntu (netplan)
Debian 13 und Ubuntu richten das Netzwerk mit netplan ein (die Datei der Einrichtung heißt /etc/netplan/50-cloud-init.yaml - nicht ändern). Legen Sie eine eigene Datei an; die Karte wird über die MAC gefunden, der Name spielt keine Rolle. Bei Debian 12 prüfen Sie vorher mit ls /etc/netplan, ob netplan genutzt wird.
# /etc/netplan/60-zusatz-ip.yaml
network:
version: 2
ethernets:
zusatz0:
match:
macaddress: "bc:24:11:4a:7e:21"
addresses:
- 203.0.113.20/24
routes:
- to: default
via: 203.0.113.1
table: 101
- to: 203.0.113.0/24
scope: link
table: 101
routing-policy:
- from: 203.0.113.20
table: 101
chmod 600 /etc/netplan/60-zusatz-ip.yaml
netplan try # übernimmt die Einstellung und nimmt sie zurück, wenn Sie nicht bestätigen
netplan apply
2b. AlmaLinux, Rocky Linux, CentOS Stream und openSUSE Leap (NetworkManager)
Diese Systeme nutzen NetworkManager. Für die neue Karte legt NetworkManager oft ein automatisches DHCP-Profil an (zum Beispiel „Wired connection 1") - entfernen Sie es, damit nach einem Neustart Ihr Profil gilt.
# Netzwerkkarte zur MAC finden (hier z. B. eth1)
ip -br link | grep -i bc:24:11:4a:7e:21
# Automatisch angelegtes DHCP-Profil der Karte entfernen (falls vorhanden)
nmcli -t -f NAME,DEVICE con show
nmcli con delete "Wired connection 1"
# Feste Adresse mit eigener Routing-Tabelle anlegen und aktivieren
nmcli con add type ethernet con-name zusatz-ip ifname eth1 \
ipv4.method manual ipv4.addresses 203.0.113.20/24 ipv4.never-default yes \
ipv4.routes "0.0.0.0/0 203.0.113.1 table=101, 203.0.113.0/24 table=101" \
ipv4.routing-rules "priority 100 from 203.0.113.20 table 101" \
ipv6.method disabled connection.autoconnect yes
nmcli con up zusatz-ip
2c. FreeBSD (rc.conf)
FreeBSD nutzt für die eigene Routing-Tabelle eine zweite FIB. Eingehende Verbindungen auf der neuen Karte werden dann automatisch über diese Karte beantwortet.
# Karte zur MAC finden (hier z. B. vtnet1)
ifconfig | grep -B3 bc:24:11:4a:7e:21
# Zweite Routing-Tabelle (FIB) - dauerhaft und sofort
echo 'net.fibs=2' >> /boot/loader.conf
sysctl net.fibs=2
# Adresse auf der neuen Karte in FIB 1, Standardroute dieser FIB
sysrc ifconfig_vtnet1="inet 203.0.113.20 netmask 255.255.255.0 fib 1"
sysrc static_routes+=" zusatz"
sysrc route_zusatz="default 203.0.113.1 -fib 1"
service netif restart vtnet1
service routing restart
Programme, die selbst Verbindungen von der zusätzlichen Adresse aufbauen sollen, starten Sie unter FreeBSD mit setfib 1.
Weitere zusätzliche Adressen
Jede weitere Adresse bekommt eine eigene Netzwerkkarte. Richten Sie sie genauso ein, aber mit einer eigenen Tabelle (102, 103 …) bzw. unter FreeBSD einer eigenen FIB (net.fibs entsprechend erhöhen).
3. Testen
- Von Ihrem Rechner:
ping 203.0.113.20und zum Beispielssh root@203.0.113.20. - Auf dem Server, ausgehend von der zusätzlichen Adresse:
ping -I 203.0.113.20 1.1.1.1(Linux) bzw.setfib 1 ping -S 203.0.113.20 1.1.1.1(FreeBSD). - Einmal neu starten und erneut testen - so sehen Sie, dass die Einstellung dauerhaft gespeichert ist.
Antwortet die Adresse nicht, prüfen Sie im Reiter Firewall-Log, ob Pakete verworfen werden, und ob die Regel für die Adresse noch aktiv ist (Firewall). Für die Adresse können Sie anschließend auch den Reverse DNS setzen.